Österreich hat meiner Ansicht nach schon lange ein Bildungsproblem, aber wahrscheinlich nicht dasselbe an das du jetzt denkts, oder zumindest nicht auf dieselbe Art. Ich nenn das österreichische Bildungssystem selber liebevoll manchmal ein Bildungslabyrinth, weil man sich darin echt oft und einfach verlaufen kann. Sprichwörtlich wie auch im wahrsten Sinne. Ich frag mich beispielsweise manchmal wieviel Zeit schon dabei draufgegangen ist sich in auf den gigantischen Bauten mancher Schulen und Universitäten in den Gängen zu verlaufen. Not macht bekanntlich erfinderisch, weshalb zum Glück (oder Unglück) irgendwann jemand die akademische Viertel-Stunde erfunden hat um da etwas nachzuhelfen. Auch das sind Bildungswege, aber andere als jene, die man schon zu Beginn seines Lebens einschlägt. Obwohl sie für die meisten von uns eher eingeschlagen werden, bevor wir überhaupt selbst auf der Welt sind. Sucht sich schließlich niemand aus wann und wo man geboren wird, oder mit wie vielen tollen akademischen Graden die eigenen Eltern bereits ausgestattet sind.
Zum Einstieg dazu eine kleine Auflistung. Es gibt die Ausbildung und die Weiterbildung. Das Bild und das Bildniss. Mit Bildern kenn ich mich selber recht gut aus. Hab schon viele Bilder erstellt. Ein paar davon Selbstbildnisse. Bilder mit mir selber drauf. All die anderen hab ich auch selber gebildet, aber auf denen ist was anderes drauf. Nicht ich selbst.
Mögen Sie auch Bilder? Dann nennen sie mir alle davon! Alle die die Menschen jemals gebildet haben. Oder die, die die Menschen gebildet haben. Haha, kleiner Wortwitz. Der Mensch bildet Bilder, und dann bilden die Bilder die Menschen. Sie bilden sie quasi ab. Alles nur eine Abbildung der Welt also. Wenn man sich in einem Bild wiederfindet ist man dann im Bilde? Oder heißt im Bilde zu sein doch was anderes. Nicht ganz gebildet, und doch so bildhaft. Manche Bilder sind schön, und andere ganz schön teuer. Ich kauf selber kaum Bilder, weil ich mir meine Bilder einfach selber mach.
Wenn man drei mal hintereinander Bild sagt erscheint angeblich eines hinter dir. Und wenn ich grade noch ein paar mal Bild hör, kotz ich Bilder aus. Bild Bild Bild. Gratuliere! Jetzt klingts für immer blöd. Oder zumindest für eine Weile. Hab ich dir jetzt die Bildung verhaut? Ist das schon Bildhauerei? Dem Namen nach zu urteilen haut man da auf Bilder drauf, oder man haut mit Bildern auf was anderes drauf. Lustigerweise kommen dabei am Ende keine Bilder raus.
In dem Videospiel Super Mario 64 kann man in Bilder rein- und rausspringen, und findet sich dann in anderen Welten wieder. In dem Spiel The Legend of Zelda: Ocarina of Time gibts einen Bösewicht der zwischen Bildern auf einem Pferd ein und aus reitet. Also er ist auf dem Pferd, das Pferd nicht in den Bildern. Wenn ich es richtig im Bilde meiner Erinnerung hab.
Ob es sowas wie Bildophobie gibt? Ist das die Angst vor Bildern, oder die Angst vor Bildung? Hat man dann Angst gebildet zu werden, oder abgebildet zu werden? Bilder können durchaus sehr mächtig sein, und manche gehen um die ganze Welt.
Dann wär da noch die Bild Zeitung, nicht zu verwechseln mit der Zeit im Bild, oder dem Bild der Zeit, dem Bild in dem die Zeit gefangen ist. Angeblich sind wir Menschen die einzige Spezies auf dem Planeten die das macht. Zeit in Bild einfangen. Zu entwerfen.
Alle Bilder und Bildungen finden sich manchmal im Bildungszentrum wieder um sich mit den Bildungsministern ein paar neue Bildungsformen auszubilden, schließlich kann man nie genug Bildung haben. So wie Hirnzellen und Öl. Oder Geld auf dem Konto. Oder Informationen. Je mehr desto besser, stimmts? In welchem anderen Kontext hab ich das nur schon mal gehört, in dem uns allen das grade gehörig in den planetaren ökologischen und andere Ärsche beißt…
Wenn schon Bildung, dann wenigstens gute Bildung. Also gscheite Bildung. Bildung die gut und gescheit ist. Geht’s der Bildung gut geht’s uns allen gut. Naja. Vielleicht auch nur dem Bildungsbürgertum oder der Bildungselite. Wenn man dann ausgebildet ist kann man sich noch weiterbilden, um all die lästigen Bildungslücken zu schließen die irgendwann entstanden sind. Und vielleicht ist man dann irgendwann auch endlich fertiggebildet. Oder man begibt sich doch eher in die lebenslange Bildung. Irgendwo dazwischen bleibt dann wenn man Glück hat noch Zeit für was anderes außer Bildung. Leben zum Beispiel. Immerhin brauchen Menschen immer eine Beschäftigung, sonst wird ihnen gach fad und sie kommen auf so doofe Ideen wie Freizeitgestaltung, oder Spaß. Wo kämen wir da hin…
Bei uns gibt es Bildungseinrichtungen an gefühlt jeder Straßenecke. Von Schulen und Volkshochschulen bishin zu Fachhochschule und zu Universitäten. Sogar Vorschulen gibts hier. Wann wird hier gebildet auch wenn man gar keinen Bock auf Bildung hat. Nahezu zwanghaft. Wo bleibt da der Konsens. Einzig Nachschulen hab ich noch nicht gefunden? Wenns sie noch nicht gibt dann erfindet sie vielleicht mal jemand. Oder vielleicht muss man sie gar nicht erfinden, sondern nur finden. Ob das gut wär, keine Ahnung. Darüber müsste man sich ja vorher ein Bild machen. Das ganze ist so komplex, dass wir sogar Bildungsforschungsinstitute haben, die sich die ganze Bildung dann auch nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Warum auch nicht? Wer bildet eigentlich die Bildungsforscher aus? Und forschen die dann nur an der Bildung, oder bilden sie die Bildung dann erst recht. Was war eigentlich vor der ganzen Bildung da? Also was kam zuerst? Der Mensch, oder die Bildung? Henne/Ei, Nature/Nurture? Schnee von gestern. Talwärts fahren ist nicht mehr. Weggebildet haben wir ihn. Müssen jetzt den anderen Schnee nehmen, wenn sie verstehen was ich meine. Immerhin haben wir ihn abgebildet, auf Foto und Video. Eingefangen im Licht. In den obskuren Kameras. Auch ein weißes Blatt Papier sieht so aus. Nur ist dieses noch leer und daher so voller Möglichkeiten. Leider kann man auf dem nicht so gut Skifahren. Ist schon was drann an “alle Kunst ist Propaganda, aber nicht alle Propaganda Kunst”. Und ist das nun Kunst, oder kann das weg? Ist das noch Bildung, oder kann das fort… -gebildet werden?
Fahrschulen und Betriebsschulen. Berufsschulen und “Lehringschulen”. Gibt sogar Baumschulen und Hundeschulen. Bei uns wird echt alles und jeder in die Schule geschickt. Richtig bildungssüchtig ist das. Was ist mit Pilzschulen? Und wenn die KI-Roboter erst mal da sind, müssen die dann auch in die Schule? Oder können die sich all die Bildung einfach runterladen, wie man einst gedacht hat, dass es bei Menschen so funktioniert? Eine tabula rasa, einfach zu füllen mit Information und Bildung. Wie eine leere Festplatte ohne was drauf. Als Informatikerin weiß ich ja wie Festplatten funktionieren. Aber als Mensch eben auch wie Menschen. Und in erster Linie bin ich Mensch, nicht Informatikerin.
Die günstigste Form der Bildungs ist wahrscheinlich die Einbildung. Man kann sich einfach einbilden man sei die Bundespräsidentin von Buxtehude am Staufenbergsee hinter der Donaudampfschifffahrtskajütenmanufaktur, aber deswegen ist es außerhalb des eigenen Weltbilds noch lang nicht Wirklichkeit für jemand anderen. Aber immerhin geht es schnell und kostet nix. Wundert mich insofern nicht, dass das so oft vorkommt. Und wenn man es sich richtig doll einbildet, und dann auch noch ausbildet, also das eigene Bild von sich nach außen trägt, dann kann man es anderen vielleicht ja doch auch noch einbilden, in deren Köpfe, und vielleicht wird man es dann ja wirklich. Also ist die Einbildung ja doch zu was gut. Wobei ob es gut oder schlecht ist, das liegt im Bilder der Betrachter:Innen. Wenn genügend Leute entscheiden, dass andere dazu gebildet sein sollten, dann kommt auch das ins Bildungscurriculum, und wird Teil der Geschichte. Geschrieben wird die bekanntlich von den Gewinnern. Die Verlierer haben oft kaum Zeit oder Möglichkeit dazu, und über die schreibt man auch erst seit Kurzem. Sofern man also eher zu letzteren zählt, muss man sich schon besonders anstrengen um auch in die Geschichte eingeschrieben zu werden.
Heutzutage kann man sogar schon mit KI Bilder machen. Das ist so günstig, man muss nicht mal sonderlich gebildet sein dafür. Wie ungebildet! Ich persönlich mach das nicht. Bin schließlich hochgebildet und darüber im Bilde wie das hinter der Fassade funktioniert, und wo all die ursprünglichen Bilder herkommen. Außerdem macht eigene Bilder machen einfach Spaß. Es besteht eine gewisse Macht im Selbermachen. Selbst Macht haben. Die Macht etwas selbst zu machen.
Erst gibt es eine Schulpflicht. Später interessierts die Leute erst nicht so recht was man in der Schule gelernt hat. Außer natürlich man braucht Bildungsabschlüsse um irgendwo reinzukommen. Wobei man dann ja zugeben müsste, man sei doch noch nicht abschließend gebildet. Oder es wird später vielleicht doch wieder interessant, aber nur wenn man eine steile Karriere hingelegt hat, irgendwie Probleme im Leben hat, jemanden umgebracht hat, oder einen Krieg anzettelt oder so. Grade, dass es nicht auch noch Schulschulen gibt. Immerhin Schulungszentren gibts, das Zentrum der Schulen. Da wo alle Schulen einmal in ihrem Leben hin pilgern müssen.
Leute die nicht in die Schule gehen nennt man übrigens auf herabwürdigende Weise Schulschwänzer, jene die ganz oder tempörär aufhören Schulabbrecher oder -aussteiger. Gefragt werden die dann nur selten wie es ihnen in der Schule ging. Oder sie sind irgendwann einfach tot. Zerquetscht unter all dem Druck von zu viel Bildung. Dann kann man sie erst recht nicht mehr fragen. Und bilden schon gar nicht. Es hat sich dann ausgebildet. Ausgezeichnet!
Wenn man irgendwo gefangen im Bildungsystem dann doch mal eine interessante Frage stellt, kann man sich manchmal noch ein “Was bildest du dir eigentlich ein?!” anhören. Witzigerweise oft von den Personen, die selber oft recht hoch gebildet sind, gewissermaßen eingebildet. Hochgebildet, aber oft grade deswegen zu weniger fähig. Arroganz die tatsächlich oft sowohl mit höherem Alter und akademischen Bildungsabschlüssen kommt. Mit den Titeln kommt das Entitlement. Abgehoben, wie vom Boden. Ikarus. In den alten Fabeln steckt wirklich viel Weisheit. Und ich hab sie alle mit dem Löffel gefuttert, und trag sie in meinem Riesenhirn ständig mit mir mit. Titel oder nicht. Der österreichische Titel-Fetischismus wird ohnehin hoffentlich bald aussterben. Was womöglich im Spiel begann, muss auch irgendwann enden. Denn nur die unendlichen Spieler:Innen spielen ewig.
Wer Bücher gerne hat kann sich übrigens mit Bildungsromanen beglücken, um nicht gleich zu sagen, ein Befriedigend geben. Sehr gut! So geht Bildung. Man bildet sich die Welt, wiediewiediewie sie einem gefällt. Oder wie sie einem von anderen eben erzählt wurde. Im Bildungsroman zeigt sich ja auch eine gewisse Vorstellung der Romantik der Bildung. Und so manche Romanze ist weniger rosig als sie es erst scheint.
Kein Fan von Büchern? Heute gibts auch TV-Serien und Filme die von Schulen handeln, ja sogar Videospiele von und mit Schulen. Ein ganzes Genre an Schul- und Bildungsfilmen und Komödien macht sich fortlaufend über Schulen und das Bildungssystem lustig und nimmt es auf die Schippe. Zu Recht. Bild und Fernsehen, da wo wir unsere Bildung hernehmen. (Zitat, Alligatoah) Denn auch das ist bildnerische Erziehung. Auch das ist Gestaltung. Papanek war da schon an was dran. Und McLuhan auch. Wir sind nur alle mit anderen Medien und Werten aufgewachsen und gebildet worden.
Ich hab das Bildungssystem wie es ist nicht erfunden, und wenn ich es täte, würd ich’s anders erfinden. Vielleicht kanns ja jemand mal entfinden, damit es sich wieder finden kann. Irgendwann und irgendwo hat es sich glaub ich nämlich verloren. Oder wir es, oder es uns. Liegt womöglich unter all den Zetteln und der ganzen Bürokratie vergraben, und unter all den Schulbüchern die jedes Jahr neu gedruckt werden müssen, weil sie eh schon wieder hinter der Zeit sind. Was für eine Papierverschwendung das auch immer wieder ist. Ein Glück, dass Holz noch nachwächst.
Und ganz gleich welchen Bildungsweg wir alle eingeschlagen haben und wohin er uns bisher gebracht hat, sofern er uns nicht erschlagen hat, sitzen wir jetzt alle grade trotzdem auf dem gleichen Raumschiff Erde und müssen mit ansehen wie die Welt wie wir sie alle kannten und kennen, beständig zerbricht und sich auflöst, nur um sich wieder neu zu formen. Das alte Weltbild ist nicht mehr, und das neue wird ständig neu gebildet, neu entworfen. Veränderung die einzige Konstante des Daseins.
Willkommen in der unaufhörlichen Transformation. Willkommen in der neuen Renaissance!
Hoffentlich hängt euch der Fortschritt nicht ab, oder wird zu einem Rückschritt. In manchen Fällen wär es vielleicht doch gut einfach stehen zu bleiben, und keinen weiteren Schritt zu tun.
Mir ist jetzt fad, ich geh was essen.
Erin List, Jänner 2026
Graz, Österreich