Anfang 2025 bin ich von Mitgliedern der lokalen Grazer BDSM und Kink Community (der ich selber seit 2023 auch angehör) angesprochen worden um einen neuen Flyer zu gestalten, um verschieden Gruppen und Veranstaltungen die von der Community organisiert werden zu bewerben.
Die Namen einiger der anderen Projektbeteiligten erwähn ich in diesem Artikel nicht, aus Gründen der Privatsphäre und Diskretion.
Meine persönlichen Ansichten sind es, dass Themen rund um Sex, Sexualität, Kink und BDSM destigmatisiert werden sollten, sodass man sowohl im privaten als auch im öffentlichen Rahmen besser darüber reden kann. Ich bin mir aber bewusst, dass leider nicht jeder diese Ansichten teilt und daher Informationen über Personen, die an einem solchen Projekt beteiligt sind, gegen diese verwenden könnte.
Als Vorlage diente ein bereits von jemand anderem gestalteter Flyer. Vor allem die visuelle Äesthetik galt es zu überarbeiten.
Für das Format haben wir uns schließlich für einen kleineren und kompakteren DIN A5 Folder entschieden, im Wickelfalzdruck anstelle eines einfachen beidseitig bedruckten Flyers. Gedruckt auf qualitativ hochwertigerem und beständigerem Papier, damit sie einerseits gut handzuhaben und verteilen sind, und sich zusätzlich auch aufstellen lassen (siehe Foto ↓), beispielsweise auf Tischen bei diversen Veranstaltungen.

Hochwertigeres Papier trägt erfahrungsgemäß auch dazu bei, dass die Folder länger etwaiger Abnutzung und Wetterbedingungen standhalten, und auch von Menschen als wertvoller eingeschätzt werden. Beides trägt dazu bei, dass sie nicht nur einmal schnell angeschaut und dann weggeworfen werden, sondern länger im Umlauf und Verwendung bleiben, und dadurch auch mehr Personen in ihrem Produktlebenszyklus erreichen.
Einen Prototyp des Folders hab ich im übrigen aus einfachem Papier und mithilfe von Büroklammern gebastelt. (und irgendwo auf meinem Handy noch ein Video davon)
Da sehr viele Informationen auf dem Folder recht zeitlos sind, sind sie zudem auch in folgenden Jahren noch gut verwendbar, und müssen nicht so schnell wieder gedruckt oder angepasst werden. Dies spart sowohl mir als auch anderen weiteren Aufwand. Und wenn es doch notwendig ist, reichen ein paar kleine Änderungen in der Original-Datei.
Ich war diejenige die sich um Grafik- und Layout gekümmert hat, sowie den Auftrag in Druck gegeben und das fertige Produkt ausgeliefert hat. Andere Projekt-Beteiligte haben sich um das Einholen der notwendigen Inhaltsinformationen von den verschiedenen Personen und Gruppen zu sammeln, die endgültigen Beschreibungstexte zu formulieren und während des Projekts Feedback zur grafischen Gestaltung gegeben. Alles in allem also eine Gruppenleistung: von der Community, für die Community.
Auch wenn ich zurzeit des Projekts die Design Justice Prinzipien noch nicht offiziell unterschrieben hatte, so hatte ich sie dennoch zumindest gelesen, und hatte so gut es geht versucht nach ihnen zu wirken.
Wir haben 2000 Stück über den Druckservice sprinters.at bei der Medienfabrik Graz drucken lassen. Genug, um eine Weile auszukommen, aber nicht zu viel, um nicht mehr zu drucken, als wir derzeit benötigten. Dies sollte dazu beitragen, die Transport- und Lieferkosten niedrig zu halten, wodurch auch die Umweltbelastung minimiert und lokale Unternehmen und die lokale Wirtschaft unterstützt wurden.
Jede zusätzliche Verpackung des fertigen Produktes war von Natur aus unnötig.(außer den Papierschachteln in denen sie geliefert wurden, und den Plastikbändern welche die einzelnen Stapel zusammenhielten)

Die Folder wurden vor, während, und auch nach dem CSD Graz 2025 verteilt. (dem Christopher Street Day, die Grazer Variante des alljährlichen Pride Festivals, mitunter in Gedenken an Stonewall)


Insgesamt war das Feedback aus der Community großartig. Allenfalls hab ich es so wahrgenommen. Die Folder wurden hinsichtlich ihres ästhetischen Stils, ihrer Produktionsqualität und anderer Merkmale sehr gut angenommen.
Was ich persönlich an dem ganzen Projekt so sehr geschätzt habe ist, dass die Motivation von Herzen kam um (margnialisierte) Menschen zusammenzubringen, und mit viel Liebe und Leidenschaft aller Beteiligten umgesetzt wurde. Aus Liebe zu den Menschen voneinander und füreinander.
Und dass es, obwohl ich selbst als Informatikerin und Software-Entwicklerin, eben nicht ein übergroßes Projekt mit jahrelanger Entwicklungsdauer und viel zu vielen Features war, von denen am Ende erst die meisten gar nicht gebraucht werden, sondern eben ein kleines, vermeintlich simples.
Ein Projekt, bei dem man nach dessen Fertigstellung etwas greifbares in der Hand hat, das man anderen Leuten überreichen kann während man ihnen in der echten Welt gegenübersteht, fernab von digitalen Räumen, (lästigen) Zoom-Calls, und viel zu vielen Discord-Nachrichten durch die sich die Menschen dahinter erst nur sehr teilweise wirklich berühren lassen.
Es hat vor allem mir gezeigt, dass die reale offline-Welt immer noch Belang hat, und nicht alles eine App oder ein Videospiel sein muss, und es manchmal das Beste ist, mal eine anderen Lösungsmethode zu versuchen als jene die man bisher immer verwendet hat.
Erin List, Graz, Österreich
2025-26
PS: Wenn noch jemand Exemplare der bereits gedruckten Folder ergattern will, (limitierte Auflage quasi) muss wahrscheinlich nach Graz kommen und sie bei den Leuten aufsuchen die noch welche haben. Ich selber hab schon fast alle verteilt und mittlerweile kaum mehr welche. Wer weiß ob wir jemals wieder welche drucken werden. Allenfalls ein kleines Stück Geschichte.
Details auf dem Folder (für die Nerds 🤓)
Was etwaige Design-Details anbelangt, so finden sich auf dem Folder mehrere Symbole und Muster welche einen Bezug zu LGBTQIA+ Ideen und Themen aufweisen:
- Rosa Winkel – als Symbol für den Kampf um LGBTQIA+-Rechte, und mit der Absicht auch Fragen und Diskussionen bezüglich dessen vergangener Nutzung anzuregen, in Anbetracht gewisser zeitgenössisch wiederkehrender LGBTQ-feindlicher ideologischer Strömungen
- Die globale inklusive (aka. intersex-inklusive) Pride Flagge
- Labrys – als Sinnbild für frauliche Stärke und Unabhängigkeit, lesbische Lebensweise, und lesbischen Feminismus
- Pansexualität Symbol – das p-förmige Symbol für Pansexualität vereint Mars-, Venus- und Transgender-Symbole
- Transgender Symbol – das kombinierte Venus- und Marssymbol welches für die Transgender-Community steht
- Doppelhalbmond – als Symbol für Bisexualität
- Zwei verschränkte Venussymbole – als Zeichen für die lesbische Community
- Lambda – als Zeichen für die Schwulen- und Lesbenbewegung
- Alternatives Rollstuhl-Symbol des Accessible Icon Project (um Veranstaltungsorte zu kennzeichnen welche für Menschen im Rollstuhl und andere körperliche Behinderungen zugänglich sind)
- Endlosschleife im Kopf der menschlichen Figur – als Symbol für Neurodiversität und alle Formen der eigenen Geschlechtsidentität
- Herz und Zeichen der Unendlichkeit für Polyamorie und nicht-monogame Beziehungsmodelle
- Grazer Uhrturm mit dem BDSM-Emblem anstelle der üblichen Uhr im Zentrum
- Doors of Durin, aus The Lord of the Rings – Das war größtenteils meine eigene ästhetische Entscheidung, zum Teil aber auch eine rein praktische, da die Rückseite des Folders sich ab einem gewissen Zeitpunkt des Projekts anders schwer gestalten lies (insbesondere hier ist mir Victor J. Papanek’s Definition “Design is the conscious and intuitive effort to impose meaningful order” stark aufgefallen)
- Ein QR-Code der auf den Linktree der BDSM-Szene Graz verweist
- Logos der jeweiligen Gruppen und Vereine, unter anderem der RosaLilaPantherInnen, Kinkoholics, smjg, und Libertine Graz
- Weitere für die ich momentan grad nicht die Energie hab sie hier zu erläutern (aber ich werd es vielleicht später irgendwann hier noch hinzufügen)
Impressum (für den Folder)
Auflage:
2000 Stück
Im Auftrag von:
Menschen aus der Grazer LGBTQIA+ Community (anonym aus Gründen der Diskretion. Falls die jeweiligen Personen hier erwähnt werden wollen, gerne. Einfach mich irgendwie kontaktieren. Credit where credit is due)
Grafik & Layout:
Erin List
Logos der jeweiligen Gruppen und Vereine sind unter anderem von den RosaLilaPantherInnen, Kinkoholics, smjg, und Libertine Graz
Text:
Erin List, etwaige andere (anonym aus Gründen der Diskretion. Falls die jeweiligen Personen hier erwähnt werden wollen, gerne. Einfach mich irgendwie kontaktieren. Credit where credit is due)
Druckerei:
Medienfabrik Graz, Dreihackengasse 20, 8020 Graz
Druckservice:
sprinters.at, Dreihackengasse 20, 8020 Graz